Zungenpiercing stechen lassen

Zungenpiercings sind nicht nur ein schöner Körperschmuck, sie sorgen auch für ein aufregend neues Gefühl beim Küssen. In jedem Fall gehören sie zu den beliebtesten Piercingvarianten. Ein großer Vorteil des Zungenpiercing: Anders als etwa Augenbrauen- oder Nasenpiercing, ist eine gepiercte Zunge weniger offensichtlich.

In Berufen, in denen sichtbare Piercings sonst weniger erwünscht sind, stellt ein Zungenpiercing daher in der Regel kein Problem dar. Mittlerweile kann auch aus verschiedenen Varianten des Zungenpiercing ausgewählt werden, von klassisch bis extrem. So findet jeder das Zungenpiercing, das den eigenen Typ noch unterstreicht.

Zungenpiercing stechen: Angst und Überwindung

Wer sich sein erstes Zungenpiercing stechen will, ist nicht selten hin und her gerissen. Einerseits freut man sich auf den neuen Körperschmuck, spielt vielleicht sogar schon sehr lange mit dem Gedanken eines Zungenpiercings, andererseits setzt auch oft die Angst ein. Man hört auf negative Meinungen aus dem Umfeld oder liest sich vermeintliche Horrorerlebnisse in Internetforen durch – und schon beginnt das Kopfkino zu laufen: Blut, Schmerzen, Lispeln, Entzündungen.

Realistisch betrachtet kann es natürlich auch beim Zungenpiercing, so wie bei jedem anderen Piercing auch, zu Beschwerden kommen.

Doch man sollte sich hier keinesfalls verrückt machen lassen und auch manch allzu hartnäckigen Mythen keine Beachtung schenken. Die Zunge ist eine der dankbarsten Körperstellen die gepierct werden können, da die Wundheilung hier vergleichsweise schnell abläuft. Hinzu kommt, dass es sich nur um weiches Gewebe handelt, was zu so gut wie keinen Schmerzen führt – es ist nicht einmal eine Betäubung notwendig.

Der beste Weg, um sich die Angst zu nehmen, ist eine gute Vorbereitung. Das fängt damit an, dass Du Dir einen seriösen und professionellen Piercer suchst! Nimm Dir die Zeit, dem Studio vorher schon einmal einen Besuch abzustatten.

So kannst du einerseits schon einmal die hygienischen Bedingungen vor Ort besser beurteilen, andererseits kannst Du einen Beratungstermin ausmachen und in einem persönlichen Gespräch mit dem Piercer alle offenen Fragen klären.

So kann Dir der Piercer schon einmal einen großen Teil Deiner Angst nehmen. Ein guter Piercer weiß, dass nicht jeder, der Gefallen an einem Zungenpiercing gefunden hat auch gleichzeitig ein Nadel-Enthusiast ist und wird daher auf Deine Bedenken eingehen. Schau Dir Bilder an von Zungenpiercings die Dir gefallen, das steigert die Vorfreude zusätzlich!

Und vergiss nicht: Zungenpiercings sind heutzutage vollkommen normale und gängige Piercings. Ein Zungenpiercing zu stechen ist daher für die meisten Piercer etwas Alltägliches und schon lange nichts mehr Exotisches. Hier kannst Du also tatsächlich auf die Erfahrung Deines Piercers vertrauen.

Wie groß sind die Schmerzen?

Wenn Du Dir Sorgen um die Schmerzen beim Stechen Deines Zungenpiercings machen solltest, gibt es gute Nachrichten: Es ist nicht einmal eine Betäubung notwendig, denn die Nervenenden verlaufen am äußeren Rand der Zunge, nicht aber in der Mitte, wo das Piercing gestochen wird. Beim Stechen eines Zungenpiercings gibt es daher hier keine großen Unterschiede zum Stechen eines Ohrlochs.

Hinzu kommt, dass die Zunge sehr weich ist. Es gibt keinen Knorpel o.ä., was beim Stechen Widerstand leistet. Wenn Du Dich daher für ein Zungenpiercing entscheidest, dann wählst Du eine der Piercingvarianten, die besonders schmerzfrei sind – wobei natürlich immer auch zu berücksichtigen ist, dass jeder Mensch ein individuelles Schmerzempfinden hat. Der allgemeine Irrglaube jedoch, dass das Durchstechen der Zunge zwangsläufig mit sehr starken Schmerzen verbunden sein muss, stimmt so nicht.

Welche Risiken bestehen beim Zungenpiercing?

Beim klassischen Zungenpiercing ist das Infektionsrisiko, im Vergleich zu anderen Piercings, sehr gering. Dennoch sind auch hier natürlich einige mögliche Risiken zu beachten. Arbeitet der Piercer nicht professionell, kann es zu einer Verletzung von Blutgefäßen und damit einhergehenden starken Blutungen kommen – was jedoch ein mehr als nur unsachgemäßes Arbeiten erfordern würde und daher nicht zu den sehr relevanten Risiken gehört.

Bedeutend realistischer ist das Risiko der Beschädigung von Zähnen und Zahnschmelz. Etwa, indem Du mit dem Metallschmuck im Mund an den Zähnen herumspielst. Wenn das Zungenpiercing immer wieder gegen die Zahnoberfläche schlägt, bilden sich mit der Zeit feine Risse im Zahnschmelz.

Bei dem längeren Stab des Ersteinsatzes kann es auch passieren, dass Du aus Versehen darauf beißt, was natürlich auch nicht allzu gut für die Zähne ist und sogar darin resultieren kann, dass Dir die Ecke eines Zahnes abbricht. Wer direkt vermeiden will, dass Zähne und Zahnschmelz durch Metallschmuck geschädigt werden, der kann sich auch für Schmuck aus Kunststoff entscheiden.

Weiterhin kann es passieren, dass die Beweglichkeit der Zunge eingeschränkt wird, wenn das Piercing nicht gut platziert wird. Dadurch kann auch eine negative Beeinflussung der Sprache folgen. Durch das anfängliche Anschwellen der Zunge nach dem Stechen bemerken einige Personen auch ein Lispeln, was jedoch mit fortschreitender Heilung wieder verschwindet.

Welche Zungenpiercing-Arten gibt es?

Barbell Zungenpiercing

Zungenpiercing ist nicht gleich Zungenpiercing, denn Du kannst hier aus verschiedenen Varianten wählen. Hier solltest Du Dich also vorab schon einmal im Internet (z.B. auf der Website von Piercingstudios) genauer informieren, bei bereits gepiercten Freunden einmal nachfragen oder Dich einfach von einem erfahrenen Piercer beraten lassen. Beliebte Zungenpiercing-Arten sind:

Barbell

Hier wird ein Stab durch den vorderen Teil der Zunge geschoben, das Piercing wird also vertikal in der Mitte platziert. Üblicherweise wird ein Stab mit Kugel (Barbell) als Schmuck eingesetzt – eine Kugel befindet sich dann oben auf der Zunge, eine darunter. Diese Variante ist das klassische Zungenpiercing und wird aufgrund seiner Optik auch als Miniaturhantel bezeichnet. Es ist auch möglich, mehrere Barbells neben- oder hintereinander zu tragen, wenn ein extremerer Look gewünscht wird.

Venom Bites

Bei dieser Variante werden gleich zwei Piercings direkt nebeneinander gestochen. Zwei Barbells befinden sich also rechts und links der Mitte parallel zueinander. Gestochen wird links und rechts durch den Zungenmuskel.

Frenulum Piercing

Dieses Piercing verläuft durch das Bändchen auf der Zungenunterseite.

Snake Eyes

Immer bekannter wird auch das Snake Eyes Piercing. Gestochen wird hier horizontal durch die Zungenspitze. Die Kugeln des Barbells sitzen also nun links und rechts von der Zungenspitze statt oben und unten, was optisch an Schlangenaugen erinnert – daher der Name Snake Eyes.

Ring

Möglich ist es auch, sich einen Ring an der Zungenspitze anbringen zu lassen, einen sogenannten Ball Closure Ring – was jedoch nicht ratsam ist, da sich hier auch die Geschmacksnerven befinden.

Wie wird ein Zungenpiercing gestochen?

Wenn es so weit ist und der Termin für Dein Zungenpiercing ansteht, kannst Du Dich in etwa auf folgenden Ablauf einstellen:

1. Mundspülung

Zunächst wird Dir der Piercer eine Mundspülung verabreichen, um Deinen Mund zu desinfizieren. Schließlich tummeln sich im Mund jede Menge Bakterien, daher ist das Desinfizieren vor dem Stechen einer Wunde (denn dabei handelt es sich im Grunde bei einem Piercing) sehr wichtig.

2. Vorzeichnen

Dann wird der Piercer die Stelle markieren, an der das Piercing schließlich gestochen werden soll. Hier ist natürlich auch Deine Meinung gefragt.
– Klemmzange und NadelNun kannst Du Deine Zunge herausstrecken. Diese wird vom Piercer mit einer Klemmzange fixiert, damit sie nicht einfach wieder im Mund verschwindet. Dennoch ist es auch wichtig, dass auch Du darauf achtest, Deine Zunge nicht wieder reflexartig zurückzuziehen. Dann wird mit einer Nadel (meist) von unten nach oben durch die Zunge gestochen.

3. Stab

Jetzt wird einfach nur noch der Stab eingesetzt, die Kugeln befestigt und Dein Zungenpiercing ist fertig!

Der Besuch beim Piercer

Der Gang zum Piercer ist natürlich immer spannend, schließlich verlässt Du das Studio mit einem neuen Körperschmuck. Da es auch bei Piercern Qualitätsunterschiede geben kann, ist es immer sinnvoll, sich vorab schon mal ein wenig zu informieren. Schau Dir die Website des Studios genau an, frag bei Piercing-erfahrenen Freunden nach, ob sie einen Piercer empfehlen können, lies Dir Onlinebewertungen durch oder verschaffe Dir einfach im Vorfeld schon einmal durch einen kurzen Besuch selbst ein Bild über das jeweilige Studio. Ein guter Piercer wird sich die Zeit für ein persönliches Beratungsgespräch nehmen.

Was kostet ein Zungenpiercing?

Natürlich kommt es bei der Kostenfrage immer darauf an, für welches Zungenpiercing Du Dich entscheidest, was für einen Schmuck Du Dir einsetzen lässt und zu welchem Piercer Du gehst, denn die Studios legen ihre Preise individuell fest. In der Regel kannst Du aber mit Kosten von ca. 40 bis 60 Euro rechnen. Im Preis enthalten sind dann neben dem eigentlichen Stechen auch schon der Erstschmuck sowie die Pflegemittel, die Du zur Nachbehandlung brauchst und natürlich auch eine generelle Begleitung, bis die Wundheilung abgeschlossen ist.

Piercingstudios stellen üblicherweise auf ihren Webseiten schon Preisübersichten bereit, so dass Du Dich hier vorab gut informieren kannst. Nicht im Preis enthalten ist in aller Regel der Folgeschmuck. Wenn also alles perfekt abgeheilt ist, kannst Du Dir neue Stäbe aussuchen, für die dann je nach Anbieter variierende Kosten anfallen.

Wie lange dauert die Heilung?

Der Heilungsprozess an sich verläuft beim Zungenpiercing in der Regel sehr unproblematisch. Die Wundheilung im Mund wird generell als sehr gut angesehen, die Regeneration verläuft hier recht schnell – anders etwa als bei Wunden auf der Haut. Spätestens nach fünf bis sechs Wochen sollte der Heilungsprozess komplett abgeschlossen sein, die Schwellung beginnt dabei schon nach etwa drei Tagen langsam zurückzugehen.

Wichtig ist aber immer, dass Du Dich an Deinen Piercer wenden solltest, wenn Doch einmal Probleme bei der Heilung auftrete, Du ungewöhnliche Schmerzen hast oder es gar zu Entzündungen kommt. Dass sich in den ersten Tagen nach dem Piercen vermehrt Belag auf der Zunge sowie Speichel bildet, ist im Übrigen normal. Schließlich wurde dem Körper gerade eine Wunde zugefügt und ein Fremdkörper in Form des Schmucks eingesetzt, das ist seine Art, darauf zu reagieren.

Schwellung und was hilft dagegen?

Nach dem Stechen des Piercings wird die Zunge zunächst einmal deutlich anschwellen. Das ist aber völlig normal und weil mit einer Schwellung im Vorneherein gerechnet wird, setzt der Piercer auch erst einmal einen längeren Stab ein, um der Zunge mehr Spielraum während der Schwellung zu geben. Der Schmuck für den Ersteinsatz hat daher meist eine Länge von ca. 20mm. Dauerhaft wird er jedoch nicht getragen. Es wird dann mit dem Piercer abgestimmt, dass nach einem angemessenen Zeitraum ein passender Stab eingesetzt wird.

Ein entsprechender Nachsorgetermin findet etwa nach zwei Wochen statt. Hier wird der Piercer dann entscheiden, ob ein Schmuckwechsel schon angebracht ist. Gerne wird immer wieder der Tipp gegeben, dass die Zunge gegen die Schwellung gekühlt werden soll, zum Beispiel mit Hilfe von Kamillentee-Eiswürfeln. Kälte kann zwar gut gegen Schmerzen helfen, um die Wundheilung zu unterstützen ist dieser Tipp jedoch alles andere als hilfreich. Die Blutgefäße verengen sich durch die Kälte, der Stoffwechsel fährt runter und es kommt zu einer reduzierten Gewebeflüssigkeit. Dadurch stehen aber auch weniger der Stoffe bereit, die für die körpereigenen Reparaturmechanismen benötigt werden.

Auch kann es durch zu starke Kälteeinwirkung zu einer Gewebeschädigung kommen. Insgesamt ist daher davon abzuraten, bei einer geschwollenen Zunge aufgrund eines frischen Piercings Eiswürfel zu lutschen. Stattdessen sollte nur in Maßen gekühlt werden, statt die Zunge einer direkten, intensiven Kälteeinwirkung auszusetzen.

Hierfür kannst Du einfach Wasser nutzen oder kühlen, ungezuckerten Kamillentee. Das sich haltende Gerücht, dass Ananas ein gutes Mittel gegen die Schwellung der Zunge sei, ist im Übrigen ebenfalls falsch. Zwar enthält Ananas das Enzym Bromelain, das abschwellend wirken kann. Die Konzentration in der Frucht ist hier aber zu gering um überhaupt eine Wirkung zu zeigen, zudem ist es besser, nach einem frisch gestochenen Zungenpiercing Fruchtsäuren zu meiden.

Was hingegen tatsächlich sinnvoll ist, ist, viel zu trinken. Empfohlene Getränke sind Wasser und Kamillentee. Achte gerade auch vor dem Schlafengehen auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um zu verhindern, dass die Zunge über Nacht dicker wird. Wenn Du Dich hinlegst, empfiehlt sich außerdem eine erhöhte Liegeposition für den Kopf, um auch so das Anschwellen zu mindern.

Wie pflege ich mein Zungenpiercing?

Hat der Piercer seine Arbeit erledigt, liegt es natürlich auch an Dir, wie gut die Wundheilung verläuft. Dein Piercer wird Dir diesbezüglich eine Pflegeanleitung mit auf den Weg geben, an die Du Dich natürlich bestenfalls auch halten solltest, damit die frisch gestochene Wunde im Mund gut und möglichst schnell verheilt. Folgende Tipps sollen Dir ebenfalls helfen:

Mundspülung

Es ist wichtig, mindestens zweimal täglich eine desinfizierende Mundspülung zu nutzen. Der Piercer Deines Vertrauens wird Dir hier gerne entsprechende Produkte empfehlen. Vergiss auch nicht, den Mund nach jedem Essen mit Wasser zu spülen, um so Essensreste zu entfernen, die sich sonst am Piercing absetzen können.

Auf was sollte ich verzichten?

Mit einer frischen Wunde im Mund sollte auf ein paar Sachen zunächst verzichtet werden. Folgende Verhaltenstipps sollen Dir weiterhelfen:

Bestimmte Lebensmittel

Bei einem frisch gestochenen Piercing wird das Essen zunächst etwas schwer fallen. Auf einige Lebensmittel sollte dabei grundsätzlich zunächst verzichtet werden. Neben Fruchtsäure gehören hierzu vor allem auch Milch und Milchprodukte, da diese für die Wundheilung kontraproduktiv sind. Weiterhin gemieden werden sollten Kaffee und alkoholische Getränke sowie alles, was heiß, scharf und besonders süß oder sauer ist.

Oralen Kontakt

Vermeide während der Wundheilung auch oralen Kontakt zu anderen Personen. Dazu gehört neben Küssen auch intimer Körperkontakt.

Rauchen

Auch auf das Rauchen sollte verzichtet werden, um die Wunde nicht in Kontakt mit dem eingesogenen Rauch zu bringen.

Blutverdünnende Medikamente

Nimm während der Heilungsphase möglichst keine blutverdünnenden Medikamente zu Dir. Solltest Du Dir unsicher sein, ob ein Medikament eine solche Wirkung hat bzw. bist Du auf bestimmte Medikamente angewiesen, sprich mit Deinem Piercer oder mit einem Arzt.

Berühren des Piercings

Auch wenn das neue Piercing natürlich bewundert werden will, solltest Du es vermeiden, es ständig zu berühren – das gilt natürlich insbesondere dann, wenn Deine ungewaschen sein sollten.

Was ist bei einem Zungenpiercing zu beachten?

Auch wenn das Zungenpiercing ein vergleichsweise unkompliziertes Piercing ist, ist dennoch auf eine saubere und genaue Ausführung zu achten. So darf das Piercing beispielsweise nicht zu weit vorne gestochen werden, da es andernfalls zu Spracheinschränkungen kommen kann. Außerdem besteht dann das vermehrte Risiko, dass die Zähne beschädigt werden können, wenn die Kugel immer wieder gegen sie schlägt.

Genauso wenig sollte das Piercing aber auch zu weit hinten gestochen werden. Dies könnte zum einen zu Schluckbeschwerden führen. Zum anderen wird die Zunge nach hinten hin dicker, was die Abheilung erschweren und verlängern kann. Wichtig ist auch, dass beim Stechen nicht die dicken Adern verletzt werden, die sich rechts und links des Zungenbandes befinden.

Prinzipiell möglich wäre es auch, die Zunge sogar horizontal zu piercen (Snake Eyes), wovon jedoch abzuraten ist. Der Stichkanal wäre hier ungleich länger als bei einem vertikalen Piercing – das Stechen dauert dann nicht nur länger und schmerzt mehr, es kann auch zu Beeinträchtigungen der Sprachfunktion führen. Außerdem wären die nun seitlich hervorstehenden Kugeln in ständigem direktem Kontakt zu den Zähnen, was für diese eine enorme Belastung wäre.

Wenn es nach dem Heilungsprozess dann so weit ist, dass Du bei der Schmuckauswahl kreativ werden kannst, solltest Du darauf achten, im Mundraum keine unterschiedlichen Metalle einzusetzen, da sonst das Risiko einer galvanischen Korrosion besteht, was zu einer veränderten Metalloberfläche und zu Gewebereizungen führen kann.

Geschichte des Zungenpiercings

Auch wenn es scheint, dass das Zungenpiercing eine moderne Form der Körpergestaltung ist und vor allem immer wieder insbesondere junge Menschen anspricht, besitzt diese Piercingvariante bereits eine sehr lange Tradition. Hier ist also keinesfalls von einer neumodischen Erscheinung die Rede.

Vor vielen Jahrhunderten schon galten Zungenpiercings als religiöses Symbol und wurden als eine Form der „Reinigung“ gesehen. Bei dem Naturvolk der Aborigines diente das Zungenpiercing als Blutopfer an die Götter. Und auch Fakire sowie Anhänger des islamischen Sufismus nutzten das Zungenpiercing für sich. Für sie war das Piercen der Zunge eine Möglichkeit, sich in Trance zu versetzen oder für Außenstehende erkennbar zu machen, dass sie sich in einem Trancezustand befinden.

Und noch heute gibt es einige Länder wie Thailand, Malaysia und Indien, bei denen im Rahmen von jährlichen Festen und Zeremonien faszinierende Spektakel zu bestaunen sind. Menschen versetzen sich in einen tranceähnlichen Zustand und durchstechen verschiedene Körperteile, darunter auch die Zunge, mit Spießen u.ä. Auch bei uns ist das Zungenpiercing mittlerweile zu einer weit verbreiteten Form der Körpermodifikation geworden.

Begonnen hat dabei alles mit der Punkbewegung, dann haben Popstars diesen Trend aufgegriffen. In den 90er Jahren wurde das Zungenpiercing regelrecht gehypt. Heute ist es nur eine von vielen Formen, seinen Körper individuell zu verschönern und ist gerade deshalb besonders salonfähig unter den verschiedenen Piercingvarianten, weil es nicht gleich ins Auge springt und sich auch gut verstecken lässt.

Häufige Fragen und Antworten

Hier findest du nun noch ein paar Antworten auf Fragen, die immer wieder zum Thema Zungenpiercing aufkommen.

Was bedeutet Zungenpiercing?

Bei einem Zungenpiercing handelt es sich um eine beliebte und auch durchaus salonfähig gewordene Form der Körpermodifikation, bei der ein Stichkanal von unten nach oben durch die Zunge gesetzt wird. Durch diesen wird dann ein Stab gezogen, an dessen beiden Enden sich je eine Kugel befindet – eine größere Kugel oben auf der Zunge, eine kleinere auf der Zungenunterseite. Hierbei handelt es sich um die klassische Form des Zungenpiercings, es gibt aber auch weitere Varianten wie etwa das Snake Eyes.

Kann ich ein Zungenpiercing selbst stechen?

Wie bei eigentlich allen Piercings ist auch beim Zungenpiercing dringend davon abzuraten, dieses selbst zu stechen. Hier sollte allein ein erfahrener Piercer ans Werk, der das Piercing fachgerecht durchführt. Bei Selbstexperimenten zuhause ist es schwer, die erforderlichen hygienischen Bedingungen zu schaffen.

Außerdem ist das Risiko zu hoch, dass Du das Piercing falsch platzierst, was vor allem zu Spracheinschränkungen führen könnte oder dass Du Geschmacksnerven, Zungenbändchen oder Adern beim Stechen verletzt.

Ab wann darf ich mir ein Zungenpiercing stechen lassen?

Ab wann man sich ein Zungenpiercing stechen lassen kann, ist ein durchaus viel diskutiertes Thema. Grundsätzlich ist es so, dass ein Piercing (immer so wie eine Tätowierung) eine Körperverletzung darstellt. Dass der Piercer hier aber keine strafrechtlichen Konsequenzen zu fürchten hat liegt daran, dass die Person die sich piercen lässt, ihre Einwilligung dazu gegeben hat. Und genau hier liegt der Casus knacksus.

Denn wer sich piercen lassen will, sollte die geistige Reife dazu besitzen, die Konsequenzen vollumfänglich zu verstehen und auch in der Lage sein, sich beispielsweise um die richtige Nachsorge zu kümmern. Das Problem hierbei ist, dass das deutsche Jugendschutzgesetz keine eindeutigen, klaren Regelungen dazu vorgibt, ab wann dies bei Jugendlichen der Fall ist – es liegt also tatsächlich eine rechtliche Grauzone vor.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass es weniger auf das Alter, als vielmehr auf die konkrete geistige Reife des Jugendlichen ankommt. Für den Piercer wird dies aber im Zweifel schwer zu überprüfen sein. Daher haben sich in der Praxis einige Regeln etabliert, denen die meisten Piercingstudios auch folgen. Die Deutsche Gesellschaft für Piercing spricht sich zunächst einmal grundsätzlich gegen Eingriffe bei Jugendlichen unter 14 Jahren aus.

Ab dem Alter von 14 Jahren können sich Jugendliche dann bei Anwesenheit und mit Zustimmung der Eltern piercen lassen.Die Eltern müssen dabei bei allen Terminen, also sowohl zur Aufklärung wie auch bei der Durchführung und der Nachsorge mit anwesend sein.

Ab 16 Jahren ist dann die persönliche Anwesenheit der Eltern nicht mehr erforderlich. Stattdessen genügt es, dass der Jugendliche eine schriftliche Einverständniserklärung der Eltern vorlegen kann. Ein seriöses Studio wird sich an diese praxiserprobten Regeln allein schon aus Eigeninteresse halten.

Denn wer Minderjährige ohne das Einverständnis der Erziehungsberechtigten pierct, riskiert im Zweifel, dass es schlimmstenfalls zu rechtlichen Auseinandersetzungen mit den Eltern kommt. Ab 18 Jahren können Jugendliche dann grundsätzlich selbst entscheiden und benötigen kein Einverständnis vonseiten der Eltern mehr.

Frisches Zungenpiercing: was darf ich essen?

Du wirst selbst schnell merken, dass das Essen mit einer geschwollenen Zunge recht schwer fällt und auch sehr unangenehm ist, mitunter sogar schmerzen kann. Daher empfiehlt es sich, während der Schwellung auf breiige oder flüssige Nahrung umzusteigen. Vom Speiseplan streichen solltest Du während dieser Zeit zudem Fruchtsäure, Milch und Milchprodukte sowie alles was scharf, süß, sauer oder sehr heiß ist.

Wie schnell wächst es wieder zu?

Da es sich bei der Zunge um einen Muskel mit guter Durchblutung handelt, geht es sehr schnell, dass der Stichkanal wieder zuwächst. Dies kann beispielsweise passieren, wenn du das Zungenpiercing im Rahmen einer Operation herausnehmen musst. Dein Piercer kann hier aber den Stichkanal später noch einmal durchstechen. Der Stichkanal Deines Zungenpiercings kann schon nach wenigen Tagen wieder zugewachsen sein.

Gibt es Probleme mit den Zähnen?

Es besteht tatsächlich das Risiko, dass es zu Schädigungen der Zähne und des Zahnschmelzes kommen kann. Ein Stück Zahn kann beispielsweise abbrechen, wenn Du heftig auf das Piercing beißt – was aber vor allem ein Problem bei längeren Stäben ist. Auch wenn Du die Zunge viel bewegst, um mit dem Piercing herumzuspielen, können die Kugeln gegen die Zähne schlagen und so zu Rissen im Zahnschmelz führen.

Ist der Zahnschmelz geschädigt, werden auch die Zähne empfindlicher, was wiederum das Essen unangenehm machen kann. Du solltest also in jedem Fall der Verlockung widerstehen, mit Deinem Piercing zu spielen. Dazu gehört auch, das Piercing nicht zwischen den Vorderzähnen einzuklemmen. Wer dazu neigt, an der Kugel mit den Schneidezähnen zu „nuckeln“, kann sogar Zahnverschiebungen begünstigen.

Wer auf Nummer sicher gehen will, nimmt daher statt Metallkugeln Kugeln aus Kunststoff – das freut auch den Zahnarzt! Zwar kann es leicht passieren, dass Plastikkugeln durchgebissen werden, so dass diese mitunter öfter einmal erneuert werden müssen – die Kosten hierfür sind jedoch im Vergleich zu einem eventuell notwendigen Zahnersatz verschwindend gering und in jedem Fall die bessere Wahl.

Welche Stabgröße brauche ich?

Nach dem Stechen wird gerne aufgrund der Schwellung ein Stab von etwa 20mm eingesetzt. Ist die Zunge später abgeheilt, kommt ein 16mm langer Stab zum Einsatz mit einer Dicke von 1,6mm. Hier sprichst Du Dich am besten mit Deinem Piercer ab. Was die Kugeln angeht, ist eine Dicke von 5 bis 6mm üblich.

Welches Material sollten Stecker und Kugeln haben?

Die Stäbe können gut und gerne aus Metall sein. Besonders empfehlenswert sind Stäbe aus Chirurgenstahl, Titan oder PTFE. Was die Kugeln angeht, ist es ratsam, sich für Kunststoff zu entscheiden, um die Zähne zu schonen.

Soll ich das frisch gestochene Piercing bewegen?

Hier kann mit einem klaren Nein geantwortet werden. Hände, vor allem ungewaschene Hände, sollten vom Piercing ferngehalten werden. Wer immer wieder an seinem frischen Piercing herumspielt, verzögert nicht nur den Heilungsprozess unnötig, sondern fördert auch das Risiko von Entzündungen.

Es ist nicht nötig, das Piercing herauszunehmen und zu reinigen. Für eine ausreichende Pflege reicht es, wenn Du wie von Deinem Piercer angewiesen eine Mundspülung nutzt.

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